Zwischenbericht Meisterschaft + EL

08.09.2013 18:00

Sieben Runden der nationalen Meisterschaft, die erste Schweizer-Cup-Runde sowie drei Runden der Europa-League-Qualifikation sind gespielt. Nach 14 Partien mit sechs englischen Wochen kam den Thunern eine kurze Verschnaufspause also gelegen (KW 36: Qualifikationsspiele der NM für die WM 2014). Denn weiter geht es mit einigen anspruchsvollen Partien in der Meisterschaft, einem nicht zu unterschätzenden Gegner im Schweizer Cup sowie natürlich der Europa League Gruppenphase.

Der FC Thun hatte im Sommer 2013 kein einziges Testspiel verloren, und zeigte in den ersten sechs Meisterschaftspartien keine wirklich schlechte Leistung. Umso enttäuschter war man in Thun, dass man nebst drei Unentschieden und zwei Niederlagen, bloss einen einzigen Sieg verbuchen konnte. Der FC Thun stand auf dem ungenügenden 8. Platz der RSL: fünf Punkte vor dem Tabellenletzten und 9 Punkte hinter dem Tabellenersten.

Die Meisterschaft

Rekapitulieren wir: In der ersten Runde gegen den FCZ führte man bis zur 83. Minute mit 1:2, kassierte dann in der 84. Minute den Ausgleich und in den letzten 15 Sekunden der Nachspielzeit noch den dritten Gegentreffer. Man verlor, obwohl man das bessere Team war. Das zweite Spiel gegen den FC St. Gallen gewann man zu Hause verdient mit 3:2, nur um dann in der 3. Runde wieder enttäuscht zu werden. Der FC Thun führte auswärts gegen YB bis zur 53. Minute mit 0:2, um dann dank gütiger Mithilfe des Schiedsrichters schliesslich doch noch 3:2 zu verlieren. Richtig frustrierend wurde es aber in der 4. Runde: Thun spielte zu Hause gegen Aufsteiger Aarau. In der 3. Minute pfiff Schiri Studer einen mehr als fragwürdigen Penalty für die Aargauer: 0:1. Danach spielte nur noch Thun. Aber aus den zahlreichen Chancen resultierten bloss 2 Tore. Das sollte sich rächen. Denn in der 5minüten Nachspielzeit schoss Aarau noch einen Glückstreffer zum 2:2. Zwei weitere, äusserst bittere Verlustpunkte für Thun. Die 5. Runde sollte keine Besserung bringen: es resultierte nur ein 1:1 unentschieden gegen Luzern, obwohl wesentlich mehr drin gelegen wäre. Und dann kam das Auswärtsspiel gegen Sion, das 0:0 endete, aber mindestens 0:1 wenn nicht gar 0:2 hätte lauten müssen. In der 72. Minute gab es ein Hands durch einen Sion-Spieler, und in der 88. Minute ein Foul an einem Thuner, das eindeutiger nicht hätte sein können (*) (s.(. Und somit gab es wieder zwei Punkte weniger als verdient. Ja wenn das Wörtchen wenn nicht wär, dann wäre der FC Thun... aber lassen wir das! Glücklicherweise konnte man zumindest in der 7. Runde einen Sieg gegen den Tabellenletzten feiern, womit man nun nur noch 3 Punkte hinter dem Tabellenzweiten GC steht, dem nächsten Gegner des FC Thun. Auf GC trifft man in den kommenden 5 Wochen noch ein zweites Mal, ausserdem auch noch auf Basel und Luzern.

(*) s. TV-Beitrag ab min. 3:40: www.srf.ch/player/tv/sport-clip/video/sl-sion-thun-sportpanorama?id=4cc9ea36-fdfc-4416-be71-49963e22d7f5

Der Schweizer Cup

Am Wochenende des 17./18. August wurde die 1. Runde des Schweizer Cup durchgeführt. Mit dem FC Echallens traf der FC Thun auf eine Mannschaft aus der 1. Liga Classic. Es resultierte ein 1:3. Von einem souveränen Sieg kann man nicht sprechen, aber der FC Thun schonte Stammkräfte für die Meisterschaft und die EL-Qualifikation. Deshalb gab man sich einfach damit zufrieden weitergekommen zu sein - egal wie. Der nächste Gegner ist einer der stärkeren, den man als Super League Club zugelost bekommen konnte: der FC Locarno. Dank der Tatsache, dass einfach immer alles wichtiger ist, als ein Spiel mit Thuner Beteiligung (egal ob für das Schweizer Fernsehen, den Verband, die Liga, die Polizei, die Behörden oder die Kakerlaken in den Kellern von Thun bis Timbuktu)wird das Spiel am Freitag, 13. September ausgetragen, um 19.30 Uhr, denn die Anreise beträgt ja "nur" rund 3,5 Stunden. Da ein grosser Teil aller Thunfans arbeitstätig ist, und der harte Kern bereits alle Frei- und Ferientage für die Auswärtsspiele der Europa League benötigt, dürfte sich der Support für die Thuner Mannschaft in Locarno auf den Staff beschränken. Danke!

Die Europa League Gruppenphase

Oft wird im Zusammenhang mit europäischen Fussballturnieren von den Prioritäten der Clubs gesprochen. Manche richten ihr Hauptaugenmerk auf die nationale Meisterschaft, bei anderen geniesst der Auftritt auf Europas Fussballbühnen den grösseren Stellenwert. Beim FC Thun dürfte sich dies die Wage halten. Dem FC Thun geht es zwar in erster Linie darum, sich in der höchsten Schweizer Liga halten zu können. Gute sportliche Leistungen allein genügen dafür aber nicht. Denn der FC Thun hat eines der tiefsten Budgets der gesamten Liga und ist auf "ausserordentliche Einnahmen" angewiesen. Damit der Club überleben kann, wäre es ideal, wenn der Club jedes Jahr knapp eine Million Franken durch Transfererlöse einnehmen könnte. Bei einem Kader, dass insgesamt nur knapp 9 Millionen Euro wert ist, ist das aber nicht gerade einfach. Die Last, die auf den Schultern des Sportchefs liegt, ist also enorm - denn ungeschliffene Diamanten, die man für einen Spottpreis einkaufen, schleiffen und dann teuer weiterverkaufen kann, die wachsen nicht auf Bäumen. Und selbst wenn dem so wäre, müssten sich diese erst durch aussergewöhnliche Leistungen die Aufmerksamkeit von Spielervermittlern verdienen.

Andres Gerber hat dieses zuvor genannte Kunststück aber bisher in jedem Jahr zustande gebracht: Oscar Scarione wechselte für gutes Geld zu St. Gallen, Timm Klose (jetzt in der Schweizer Nati und beim Vfl Wolfsburg) entliess man zu guten Konditionen nach Nürnberg, den stetig durch die Gegend stolpernden Anatole Ngamukol konnte man für eine unfassbare Summe an GC loswerden, und in der letzten Saison gab man Renato Steffen (den man für Kleingeld bei einem 1. Ligisten holte) an die Young Boys weiter (der Deal beinhaltete eine angemessene Summe und die allseits erhoffte Rückkehr von Christian Schneuwly zum FC Thun). Doch die Tatsache, dass dies bisher jeweils klappte, ist keine Garantie dafür, dass es in diesem Stil weitergeht. Aus diesem Grund ist die Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League wahrscheinlich für keinen anderen Club so bedeutsam, wie für den FC Thun. 1,5 Millionen Antrittsgage und weitere Einnahmen sind bereits garantiert und geben dem kleinen Berner Oberländer Verein eine gewisse finanzielle Sicherheit. Ausserdem können sich die Spieler auf der europäischen Bühne präsentieren, was vielleicht wiederum ihren Marktwert erhöht. Wenn man mich fragen würde, wer für den Erfolg des FC Thun in den vergangenen knapp 4 Jahren verantwortlich ist, und wenn ich nur einen einzigen Namen nennen dürfte, dann wäre das ganz klar: der Thuner Sportchef Andres Gerber.

Wie auch immer. Der FC Thun steht nun vor der Herausforderung, sechs weitere Partien in der Europa League zu bestreiten: gegen Dynamo Kiew, KRC Genk und Rapid Wien. Und ich werde mich an das halten, was ich als Thun-Fan seit jeher tue: ich erwarte nichts, und erhoffe mir alles. Hopp Thun! 

Wer Informationen zur Geschichte des FC Thun und dem Stadion sucht, findet diese auf den entsprechenden Unterseiten.